Das Happiness-Paradoxon – warum uns unsere Unzufriedenheit glücklich macht




Ein Gastbeitrag von Johannes Wagner. Johannes ist Medizinstudent und der Gründer des Blogs The Hero's Journey. Auf seinem Blog will er Menschen dazu inspirieren, ihr Leben pro-aktiv in die Hand zu nehmen, persönlich zu wachsen und frei und ungezähmt zu leben.


Gestern hatte ich eine interessante Diskussion mit meiner Freundin und ihren Geschwistern. Es ging um die Frage: Wie würde unsere Gesellschaft aussehen, wenn wir alle vollkommen glücklich wären.


  • Würde es dann noch Fortschritt geben?

  • Würde es Verbesserungen geben?

  • Würde es den Willen geben, etwas zu verändern?

  • Würden wir uns persönlich noch weiterentwickeln wollen?

Am Anfang war ich noch überzeugt davon, dass man nur glücklich werden kann, wenn man sich weiterentwickelt – denn das Leben ist ein ständiges Wachsen. Wenn ich nicht mitwachse, bleibe ich auf der Strecke – dachte ich zumindest. Aber dadurch verfallen wir in den Teufelskreis, dass wir immer mehr brauchen, um glücklich zu sein. Wir müssen immer weiter machen. Immer höher, immer schneller, immer besser.


Wenn man einmal beginnt sich aktiv mit seiner Persönlichkeit zu beschäftigen, eröffnet sich eine neue Welt für dich. Du merkst, in welchen Bereichen deines Lebens du noch unendlich viel dazulernen kannst, sei es in deiner Kommunikation, in deinem Auftreten, deinen Beziehungen, in deinem Studium oder Beruf. Wenn du dann einmal ein gewisses Level erreichst, gibst du dich nicht mehr damit zufrieden dort zu bleiben. Du möchtest noch mehr erreichen und noch erfolgreicher werden. Du möchtest dich immer weiter entwickeln.


Doch was wäre, wenn du vollkommen glücklich wärst. Wenn du plötzlich alles hättest, was du dir wünschst. Wenn du nichts mehr brauchst für dein umfassendes Glück. Würdest du dann weiter machen wollen? Würdest du dich weiterentwickeln wollen? Würdest du diesen Ort der Glückseligkeit verlassen wollen? Ich denke nicht. Eigentlich verdanken wir es den Unglücklichen, den Leidenden, den Unzufriedenen, dass sich die Welt weiterentwickelt.


Die Voraussetzung dafür ist allerdings folgende: Unzufriedenheit ohne Handeln bleibt einfach nur Unzufriedenheit. Sich mit der Situation abzufinden, solange man etwas dagegen tun könnte, wird nichts verändern. Nur Unzufriedene, die pro-aktiv handeln, werden auch etwas erreichen.


Wir verdanken es den großen Vorbildern der Menschheitsgeschichte, die unzufrieden waren UND aufgestanden sind, dass sich die Welt um ein Stück weit verbessert hat. Wäre Nelson Mandela glücklich gewesen mit der Situation in Südafrika, wo Apartheid noch vorherrschend war, hätte er wahrscheinlich nie den Willen gehabt etwas zu verändern. Wäre Steve Jobs glücklich gewesen, dass es das Tasten Nokia-Handy am Markt gab, hätte er nie am iPhone gearbeitet. Wäre Mutter Theresa nur damit zufrieden gewesen in einer Kammer zu beten, wäre sie wohl nie auf die Straßen von Kalkutta gegangen, um ihre Nächstenliebe den Ärmsten der Armen zu zeigen. Wäre Elon Musk nur damit zufrieden, dass die Erde von uns Menschen bevölkert bleibt, würde er nie an SpaceX arbeiten, um den Mars zu bevölkern.

Es sind immer die Unzufriedenen, die unsere Gesellschaft vorantreiben und für Fortschritt sorgen, sobald sie eine Idee haben UND zu handeln beginnen.


Die Millionen-Dollar Idee

Fast jedes Unternehmen auf diesem Planeten, das erfolgreich ist, ist meiner Meinung nach nur deswegen so erfolgreich, weil es die konkreten Probleme der Kunden zu lösen weiß.

Jeder Mensch hat heutzutage einen Computer, weil wir alle einen Computer brauchen, egal ob im Studium oder Beruf – Microsoft hat dieses Problem erkannt und gelöst. Natürlich war der erste Computer mit dem Betriebssystem von Microsoft alles andere als perfekt, aber der Ansatz war da. Der erste Schritt war getan.


Die Balance zwischen Unzufriedenheit und Glück

Zurück zu unserer eigenen Person – welches Problem stellt sich, wenn wir uns nur auf unsere Unzufriedenheit konzentrieren? Wenn wir uns nur auf unsere Unzufriedenheit fokussieren, merken wir, dass wir immer weiter hinauswollen, immer mehr, immer schneller, immer besser.

Wir jagen dem Ziel nach und werden unglücklich, weil wir dieses Ziel erreicht haben. Also nehmen wir uns das nächste Ziel vor. Und das nächste. Wir bekommen nie genug.


Wenn du einen hohen Gipfel erklommen hast, finde einen noch höheren. Wie können wir diesem Teufelskreis entkommen? Um dieses Problem zu lösen (du merkst schon wie gerne wir Menschen Probleme lösen) hat mir besonders ein Satz geholfen.

Live the life you love, while creating the life you want.

Ja es stimmt, dieser Satz macht eigentlich keinen Sinn. Wenn ich glücklich mit dem wäre, was ich habe, hätte ich keine Motivation mehr, um mich zu verbessern. Trotzdem ist diese Balance ungeheuer wichtig. Wir sind alle nur Menschen. Wir können nicht immer glücklich sein. Wir bewegen uns hin und her. Wir leben, wir lieben, wir lachen. Wir träumen, wir weinen, wir fallen hin. Das ist Teil des Lebens. Deswegen wird es hier auch keine absolute Antwort geben.


Das Leben selbst ist die Antwort. Liebst du das, was du tust, liebst du dein Leben, liebst du dein Umfeld, liebst du dich selbst? Wenn deine Antwort immer wieder Nein ist, dann überlege dir, ob es nicht vielleicht Zeit für einen Richtungswechsel wird.

Erwachsen ist man, wenn man diese Dinge vereinigen kann. Lieben, arbeiten, leben. (Sigmund Freud)

Was ist also besonders wichtig?

Nimm dir Zeit zu genießen. Nimm dir Zeit, um dankbar zu sein. Nimm dir Zeit, um das wertzuschätzen, was du hast. Nimm dir Zeit für deine Familie, für deine Freunde. Nimm dir Zeit für die Magie und Schönheit dieser Welt. Nimm dir Zeit, um zu lieben und zu genießen.

Gleichzeitig reflektiere auch darüber, was vielleicht noch nicht ganz deinen Vorstellungen und Träumen entspricht.


  • Wo möchtest du noch Fortschritte machen? In welchem Lebensbereich möchtest du dich noch verbessern?

  • Wo möchtest du noch neue Dinge lernen?

  • Wo möchtest du noch mit der Neugier eines Kindes an bestimmte Sache herangehen?

  • Wo möchtest du deiner inneren Stimme folgen? Wo möchtest du dich für andere engagieren?

  • Wo möchtest du deine Lebensenergie und dein Feuer hineinstecken?

  • Für welche Sache brennst du mit voller Leidenschaft?


All diese Dinge sind für unser Leben von unglaublicher Wichtigkeit. Aber wie so oft ist die Balance wichtig. Ohne Unzufriedenheit gäbe es keinen Fortschritt. Ohne Pausen könnten wir das Leben nicht in vollen Zügen genießen. Ohne Arbeit ist das Vergnügen nur halb so schön…Ohne Aufstieg auch keine Aussicht am Gipfel.

Ich ermutige dich deswegen noch einmal: hab keine Angst davor unzufrieden oder unglücklich zu sein.


Mach dir bewusst, wo du unzufrieden bist und schau auf deine Möglichkeiten, ob du etwas an der Situation verändern kannst. Wenn du kannst, dann engagieren dich pro-aktiv dafür, dass sich etwas ändert. Wenn du nicht kannst und alles versucht hast, akzeptiere, dass gewisse Dinge nicht in deinem Einflussbereich stehen. Und nimm dir gleichzeitig die Zeit, um dankbar zu sein für das, was du hast. Sei glücklich. Jage nicht einem verlorenen Gral nach, den du vielleicht nie erreichen wirst.


Action Steps für dich

  • Schreibe JETZT SOFORT 3 Dinge auf, für die du dankbar bist

  • Nimm dir 10 Minuten Zeit, um in die Natur zu gehen und über dein Leben zu reflektieren – die Fragen in diesem Artikel dienen dir als Richtlinie dafür

  • Überlege, in welchen Bereichen deines Lebens du unzufrieden bist – Gesundheit, Beziehungen, Berufung,…dann bastle dir einen Action-Plan, um an dir zu arbeiten. Hier sind kleine, tägliche Ziele entscheidend, die du auch wirklich umsetzen kannst

Ich wünsche dir alles Gute auf deiner persönlichen Entwicklungsreise.


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